Schonende Hautkrebsbehandlung im Gesicht
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Schonender Wundverschluss nach Hautkrebs-Operation im Gesicht

Nach der Diagnose Hautkrebs (Abbildung 1) steht die vollständige Entfernung des Tumors im Vordergrund. Wie die entstehende Wunde anschließend versorgt wird, kann jedoch unterschiedlich erfolgen – insbesondere im Gesicht und im Kopfbereich.

Hautkrebsdiagnose

Abbildung 1: Nicht jede kleine Hauterhebung ist harmlos: An sonnenexponierten Stellen wie der Stirn kann sich dahinter auch weißer Hautkrebs verbergen.

Da sich Tumorzellen über den sichtbar betroffenen Bereich hinaus ausbreiten können, ist es manchmal notwendig, noch einmal nachzuoperieren und zusätzlich Gewebe zu entfernen (Nachresektion). Dadurch kann der entstehende Defekt nach der Tumorentfernung größer sein als ursprünglich erwartet.

Bei der chirurgischen Behandlung ist meist nicht die Entfernung des betroffenen Hautareals das Hauptproblem, sondern der anschließende Wundverschluss. Wenn der entstandene Hautdefekt – je nach Lage – größer als etwa 1 bis 2 cm ist, lässt sich die Wunde oft nicht mehr einfach vernähen.

In solchen Fällen ist eine plastische Deckung erforderlich. Dabei wird Haut aus der unmittelbaren Umgebung oder aus der Nähe verschoben, um den Defekt zu schließen (sogenannter „Lappen“). Dieses Vorgehen bezeichnet man als plastisch-chirurgisches Operationsverfahren (Abbildung 2).

Klassisches Anmarkern

Abbildung 2: Der gepunktete Kreis zeigt den Sicherheitsabstand, mit dem der Tumor entfernt wird. Die horizontalen gestrichelten Linien markieren die geplanten Schnitte und die späteren Narben. Dadurch kann die Haut so verschoben werden, dass die Wunde anschließend gut verschlossen werden kann.

Klassische plastische Operationsverfahren der plastischen Deckung – kurz erklärt

Bei klassischen plastischen Verfahren wird die Wunde nach der Tumorentfernung häufig durch Verschiebe- oder Lappenoperationen verschlossen.

Dabei wird Haut aus benachbarten Bereichen gelöst und so verlagert, dass der Defekt sofort vollständig bedeckt werden kann. Diese Verfahren sind medizinisch bewährt und ermöglichen vor allem bei größeren Defekten einen schnellen und stabilen Wundverschluss meist in einer Sitzung.

Warum klassische Verfahren im Gesicht herausfordernd sein können

Klassische plastische Verfahren können zusätzliche Schnitte und eine stärkere Mobilisierung der umliegenden Haut erfordern. Der erhöhte Aufwand geht allerdings einher mit mehr Narbenbildung und möglichen Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Nachblutungen etc…

Im Gesicht, an der Stirn, an der Nase, an den Augenlidern oder an der Kopfhaut ist die Haut oft weniger verschieblich und eng mit der darunterliegenden Struktur verbunden.

Ein sofortiger großflächiger Verschluss kann hier mit besonderen Problemen verbunden sein, wie zum Beispiel:

  • Ein stärkerer Zug auf die umliegende Haut
  • Sichtbare Narben oder Verziehungen
  • Kosmetische Beeinträchtigungen durch überschießendes Narbengewebe
  • Mögliche funktionelle Beeinträchtigungen angrenzender Bereiche
  • Notwendige Operationen zur Korrektur

Diese Aspekte können bei der Wahl der geeigneten Methode eine Rolle spielen.

Klassische Verfahren – sachlich eingeordnet

Klassische plastisch-chirurgische Verfahren können zusätzliche Schnitte und eine stärkere Mobilisierung der umliegenden Haut erforderlich machen. In vielen Fällen sind diese Verfahren sinnvoll und medizinisch notwendig.

In funktionell und ästhetisch sensiblen Regionen kann der damit verbundene Zug auf die umliegenden Strukturen jedoch eine besondere Herausforderung darstellen. Genau hier kann eine schrittweise Vorgehensweise in geeigneten Fällen eine Alternative sein.

Quellenangaben:

Weerda, H. (1999): Plastisch-rekonstruktive Chirurgie im Gesichtbereich. Ein Kompendium für Problemlösungen. Thieme Verlag, Stuttgart, New York

Menick, F. (2009): Nasal Reconstruction. Art and Practice. Mosby Elsevier Missouri

Der Grundgedanke der schonenden Alternative: Chirurgische Wundkontraktion

Nach der vollständigen Entfernung des Hautkrebses ist der entstandene Defekt häufig größer als zunächst erwartet. Dies liegt daran, dass sich Tumorausläufer über den sichtbaren Befund hinaus erstrecken können.

Die hier vorgestellte alternative Methode setzt an diesem Punkt an. Anstatt den Defekt sofort durch zusätzliche Schnitte und eine großflächige Mobilisierung der umliegenden Haut zu verschließen, wird die Wunde schrittweise und kontrolliert zusammengeführt. Deshalb nennen wir es auch chirurgische Wundkontraktion.

Der zentrale Gedanke dabei ist, der Haut Zeit zur Anpassung zu geben und zusätzliche Schnitte möglichst zu vermeiden.

Was ist der Unterschied?

Der Unterschied zur klassischen Operation liegt weniger im Ziel einer möglichst schnellen Heilung, sondern vielmehr im Weg dorthin, der in der Regel mit deutlich geringerer Narbenbildung verbunden ist. Dieses schrittweise Vorgehen kann:

  • die Spannung auf die Haut reduzieren,
  • den Zug auf angrenzende Strukturen verringern,
  • die natürliche Anpassung der Haut unterstützen.

Dies kann insbesondere in funktionell oder ästhetisch sensiblen Bereichen von Vorteil sein.

Für wen die schonende Alternative der Wundkontraktion in Betracht kommen kann

Diese Methode kann insbesondere dann erwogen werden, wenn:

  • der Hautkrebs im Gesicht oder an der Kopfhaut liegt,
  • ein sofortiger großflächiger Verschluss mit hohem operativen Aufwand verbunden wäre,
  • ein möglichst zurückhaltendes Vorgehen gewünscht ist.

Ob sie im individuellen Fall sinnvoll ist, wird immer ärztlich geprüft.

Hinweise zu dieser Methode

Die schrittweise chirurgische Wundkontraktion ist keine ästhetisch-kosmetische Behandlung.

Ziel ist ein medizinisch sicherer und funktionell verantwortungsvoller
Wundverschluss unter möglichst schonenden Bedingungen.

Wundkontraktion zusammengefasst

Die vorgestellte Methode ist eine schonende Alternative, bei der:

  • Die Narbenbildung auf ein Minimum reduziert wird
  • Wundheilungsstörungen durch die gewebeschonende Kontraktion kaum auftreten
  • Der erhöhte Zeitaufwand durch das langfristige Ergebnis der geringeren Narbenbildung mehr als wettgemacht wird.

Welche Methode sinnvoll ist, entscheidet sich jeweils anhand der individuellen medizinischen Situation und der Patientenbedürfnisse.

Quellenangaben:

Born, A., Markmann, H.-U. (2021): Zahnärztliche Geweberegeneration und Wundbehandlungstechniken. Mal ganz anders. PIP: 4, 14 -17

Born, A. (2022): Die Versorgung von tumorchirurgisch bedingten Gesichts- und Kopfhautdefekten, ein alternatives Praxiskonzept anhand von Fallvorstellungen. MKG-Chirurg 2022

Born, A., Markmann, H.-U. (2024): Plastic Coverage of a Lentigo-Maligna Defect in the Cheek, an Alternative Practice Concept. Volume 24, Issue 1, Compilation 1.0

Wie es weitergeht

Auf der nächsten Seite finden Sie eine strukturierte Übersicht über den Ablauf der Behandlung – von der Entfernung des Hautkrebses bis zum Abschluss der Wundheilung.

Medizinische Fachinformationen: Dr. med. Dr. med. dent. Andreas Born